„Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“: Eröffnung einer Ausstellung des Anne-Frank-Zentrums Berlin am Gymnasium Westerstede





Am 3. November 2025 wurde die Wanderausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ des Anne Frank Zentrums Berlin an der Europaschule Gymnasium Westerstede eröffnet. Die Ausstellungseröffnung bildet damit den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen zur Förderung der Erinnerungskultur im Monat November. In den kommenden Wochen werden speziell dafür als Peer Guides ausgebildete Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums, Schulklassen und Kurse der eigenen aber auch benachbarter Schulen durch die Ausstellung begleiten sowie auch für die interessierte Öffentlichkeit Gelegenheiten bieten, mehr über das Leben Anne Franks und ihre Relevanz für die Gegenwart zu erfahren.

Eingebettet in musikalische Beiträge verschiedener schulischer Ensembles (Jugendorchester und Kammerchor) und Solisten, fand die Feierstunde zur Eröffnung in der Aula des Gymnasiums und damit inmitten der Ausstellung statt.

Nach der musikalischen Einführung ergriff der Schulleiter der Europaschule, Henning Kratsch, das Wort und hieß die Gäste sowie die Klassensprecherinnen und Klassensprecher als Vertreter der Schülerschaft herzlich willkommen. Er betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der Ausstellung für die Schulgemeinschaft und den ganzen Ort Westerstede. Besonders hob er hervor, wie wichtig es sei, dass junge Menschen sich heute mit der Geschichte von Anne Frank und den aktuellen gesellschaftlichen Fragen, die sie aufwirft, auseinandersetzten. Die Ausstellung sei mehr als eine historische Rückschau. Sie erzähle nicht nur vom Leben eines jüdischen Mädchens, das im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurde. Sie erzähle auch davon, wie ein Mensch – trotz Angst, Enge und Unfreiheit – an das Gute im Menschen glauben konnte. Und sie lade alle dazu ein, über unsere eigene Haltung, unsere Werte und unsere Verantwortung in der Gegenwart nachzudenken. Sie sei eine Einladung, sich zu erinnern – aber auch ins Gespräch zu kommen über die Werte unserer Demokratie, über Freiheit, Toleranz, Menschenwürde.

Herr Kratsch dankte insbesondere den Sponsoren der Ausstellung, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich sei. Neben der EWE-Stiftung, die den Hauptteil der Finanzierung übernommen hat, unterstützen der Rotary Club Westerstede, der Lions Club Ammerland, das Projekt „Demokratie Leben“ der Kreisvolkshochschule, die Westersteder „Initiative gegen das Vergessen“, der Förderkreis und die Buchhandlung „Lesezeichen“ das Projekt der Schule. Es folgte ein Grußwort des Westersteder Bürgermeisters Michael Rösner, der auf die Relevanz und Eindringlichkeit des Tagesbuchs von Anne Frank verwies und auf die Lehren, die er ganz persönlich aus ihrem Leben gezogen habe.

Im Zentrum der Ausstellungseröffnung stand eine Ansprache der Präsidentin des Niedersächsischen Landtags, Hanna Naber, die in sehr bewegenden Worten zunächst das Leben Annes rekapitulierte. 80 Jahre nach ihrem Tod im KZ Bergen Belsen seien die Botschaften ihres Tagesbuchs erneut von erschreckender Aktualität. Frau Naber betonte den Wert von Rechtsstaat und Demokratie und verwies immer wieder auf Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Man habe Anne Frank im Nationalsozialismus alles nehmen können. Rechte, Freiheiten, Chancen und am Ende sogar das Leben. Ihre Würde aber habe man ihr nicht nehmen können und diese wirke quasi durch die Wirkung ihres Tagesbuchs fort.

Frau Naber, sprach in ihrer Ansprache von der Verantwortung der heutigen Generation, das Erbe von Anne Frank lebendig zu halten und forderte insbesondere die Generation der Schülerinnen und Schüler auf, dafür zu sorgen, dass der Holocaust nie vergessen wird – und dass wir in unserer Gesellschaft wachsam bleiben gegenüber jeder Form von Ausgrenzung und Diskriminierung.

Ein bewegender Moment der Eröffnung war der Auftritt des Jugendorchesters Westerstede unter der Leitung von Christine Hackbarth. Die Musikerinnen und Musiker spielten Auszüge aus „Schindlers Liste“ von John Williams. Die eindrucksvolle Musik des berühmten Films, der sich mit der Rettung von Juden während des Holocausts befasst, brachte dabei musikalisch die tieftraurige Geschichte des jüdischen Leidens in den Fokus.

Im Anschluss gab Alexandra Riha vom Anne Frank Zentrum Berlin einen fundierten Einblick in die Konzeption der Ausstellung. Sie erklärte, wie die Wanderausstellung das Leben von Anne Frank nicht nur historisch dokumentiert, sondern auch die Möglichkeit bietet, ihre Werte und ihre Botschaft der Hoffnung in die Gegenwart zu übertragen.

Die Schlussworte wurden von Christine Hackbarth und Jan Kleen, die sich beide maßgeblich für die Organisation und Umsetzung der Ausstellung in Westerstede engagiert haben, formuliert.

„Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ ist mehr als eine Ausstellung. Sie ist ein lebendiges Mahnmal für Toleranz, Demokratie und Menschenwürde und wird hoffentlich die Schülerinnen und Schüler sowie alle Gäste beeindrucken.