
Homo sapiens – homo faber – homo ludens: In einer Theater-AG denkt, schafft und spielt der Mensch.
Alle interessierten Schülerinnen und Schüler können seit 1995 in der Theater-AG „Die Mücken“ mitwirken – alle, die Spaß am Nachahmen, Ausprobieren und Experimentieren haben, alle, die Lust am Sich-Darstellen und am Darstellen anderer verspüren und die neugierig darauf sind, sich in verschiedene Figuren hineinzuversetzen.
In den dreißig Jahren konnten über 700 Rollen besetzt werden: Mehr als 400 Darsteller wirkten so motiviert und engagiert auf der Bühne mit, dass sie über die zwei AG-Stunden hinaus für die gemeinsame Sache monatlich ein Wochenende einbrachten und einmal im Jahr für eine ganze Woche die Koffer packten, um die jeweilige Inszenierung z.B. in Bremen, Osnabrück, Münster, Göttingen, Lüneburg oder Oldenburg intensiv vorzubereiten.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler wurden von über 60 Mitarbeitern in den Bereichen Technik, Bühnenbau/Kulisse, Ausstattung (Kostüme, Requisiten), Plakat, Maske und Musik unterstützt.
110 Akteure hielten der AG drei und mehr Jahre die Treue; sie begannen häufig als Dienstmädchen oder Butler, Postbotin oder Fischerjunge, bis sie in Hauptrollen zu schlüpfen wagten. Einige Westersteder Familien brachten geradezu Schauspielerdynastien hervor. Zwei Schülerinnen schafften es sogar, sieben Jahre mitzuwirken und den Produktionen so ihren Stempel aufzudrücken.
Einige Dramatiker und Schriftsteller reizten die Mitwirkenden besonders: So brachte die AG bekannte Stücke z.B. von
- Woody Allen („Kugeln überm Broadway“, 2011),
- Aristophanes (Lysistrata“, 2016),
- Georg Büchner („Leonce und Lena“, 2013),
- Carlo Coldoni („Der Fächer“, 2009 und „Streit in Chiozza“, 2022),
- Friedrich Dürrenmatt („Herkules und der Stall des Augias“, 1997, „Romulus der Große, 2003, „Der Besuch der alten Dame“, 2024 und „Die Physiker“, 2026) oder von
- William Shakespeare („Wie es euch gefällt“, 2014) auf die Bühnenbretter.
Auch Theaterstücke, die auf Romane oder Novellen basieren, sorgten sowohl bei den AG-Mitgliedern als auch bei dem Publikum für Begeisterung: So griff die AG
- „Die Welle“ von Morton Rhue (2020 und 2025),
- „Sophies Welt“ von Joostein Gaarder (2005),
- Jekyll & Hyde“ von Robert L. Stevenson (2019) oder
- „Einer flog über das Kuckucksnest“ von Ken Kesey (2018) auf.
Die skurrile Kriminalgroteske „Arsen und Spitzenhäubchen“ um zwei schwarze Witwen von Joseph Kesselring sorgte sogar zweimal für ein „volles Haus“ (1999 und 2017).
Wie die Produktionen gezeigt haben, bedarf es im schulischen Rahmen nur eines kleinen Funkens, um den homo sapiens, den homo faber und den homo ludens zu aktivieren, denn bei der Inszenierung eines Theaterspiels werden Fantasie, Spontaneität und zugleich Kreativität freigesetzt. Gleichzeitig werden aber auch soziale Kompetenzen wie Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit, Empathie und Toleranzfähigkeit gefördert sowie die wichtigen Prozesse der Selbstfindung für die Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. In diesem Sinne: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ (Schiller)